Wenn Heteros über Homos schreiben

Wenn Heteros über Homos schreiben

Wenn Heteros über Homos schreiben


Tw: Homosexualität, Fetischisierung, (sexuelle) Gewalt


Disclaimer: Nichts in diesem Artikel richtet sich gegen eine feste Gruppe oder eine Einzelperson. Dieser Artikel wurde erstmals im Februar 2018 veröffentlicht und Dezember 2018 überarbeitet. Aussagen, Erfahrungen und Neuerungen sind dieser Überarbeitung geschuldet.


Gay als Kassenschlager

In den letzten Monaten finden sich immer mehr Menschen in meinem literarischen Umfeld, die ihre Bücher unter dem „Genre“ Gay bewerben.

Zunächst wirkt das wie etwas Gutes. Es zeigt, dass Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen und, auch wenn sie selbst nicht „betroffen“ sind, über solche Beziehungen schreiben. Damit finden sich logischerweise mehr Geschichten mit homosexuellen Beziehungen auf dem Buchmarkt, was die allgemeine Akzeptanz erhöht.

Zumindest theoretisch. Leider scheitert eben diese Erhöhung der Akzeptanz dann an der Umsetzung in den Büchern:

  • Einziges Thema sind homosexuelle Männer. Es dreht sich nur um diese eine Minderheit, was die Absicht eine allgemeine Akzeptanz zu erhöhen untergräbt. LGBTQA+ bietet so viel mehr und alle diese Menschen suchen nach Büchern in denen sie auftauchen.
  • Die Zielgruppe wird offen kommuniziert und besteht aus einem festen Kreis an Fans. Das Ziel ist nicht Akzeptanz, sondern Geld.
  • Die Autor*innen sind zu einem disproportional-hohen Anteil weiblich. Recherche kann dies ausgleichen, tut es aber oft nicht.
  • Die Themenwahl ist grenzwertig. Zwischen Gewalt, schlechter Historisierung und zu vielen „eigentlich bin ich ja nicht schwul aber“-Geschichten werden schwule Männer wie Zootiere vorgeführt und durch einen eigentlich uninteressanten Plot geführt mit dem Versprechen, dass es am Ende eine heteronormative, unrealistische Sexszene gibt.

Aber warum schreibt man das dann?

Fragt man die Autor*innen, warum sie Gayromance/Gayfiction/etc schreiben, so erhält man sehr bezeichnende Antworten:


„Ich schreibe das, weil ich sonst keine Beziehungen beschreiben kann.“


„Ich finde Homosexualität einfach cool!“


„Schwule sind süß.“


Aussagen wie diese mögen auf den ersten Blick nicht sonderlich toxisch aussehen. Aber schauen wir sie uns genauer an, so erkennen wir die homophoben Abgründe dahinter.

Die Verniedlichung einer Sexualität bringt mit sich, dass man sie nicht als ebenbürtig und wichtig sieht. Man kann mit ihr machen, was man möchte. Jeder, den man gerne so sehen würde, kann so beschrieben werden. Beziehungen zwischen zwei Männern kann man ohne Recherche beschreiben, weil es ja egal ist, ob sie realistisch sind.


Ausschnitt aus dem Originalartikel:

Das Problem mit nur „homo“ und nur männlich ist relativ tief verwurzelt und kommt aus der Fanfictionszene. Es gibt endlos viele Jugendliche, die über Schauspieler*innen und Charaktere fantasieren, diese „shippen“ und in ihren Geschichten in homosexuelle Beziehungen stecken. So wie viele Männer gerne Lesbenpornos schauen, leben gerade junge Frauen ihre eigenen Fantasien so aus. Und das ist echt nicht gut. Denn das ist keine Bewunderung mehr. Das ist Fetisch.

Egal welche Sexualität man so behandelt, sie wird zum Fetisch. Der Willen der Menschen, sowie ihre Identität ist egal. Hauptsache am Ende küssen sich die, die man für schwul erklärt hat. Und dann sitzt man kichernd vor dem Laptop und freut sich. Sexualitäten sind nichts, was man wie ein Spiel behandeln sollte. Und sie sind nicht dafür da, dass jemand heterosexuelles sich daran erfreut. Sie sind kein Spielzeug für Slashfiction, keine erotisches Outlet und keine Pornovorlage.

An dieser Stelle könnte ich über Privilegien sprechen oder die Tatsache ausbauen, dass historisch gesehen, Menschen, die nicht heterosexuell waren, tatsächlich als Spiel genutzt wurden. Diese Faszination ist bei Weitem nichts Neues. Stattdessen verweise ich auf diesen englischen Text, bei dem das Phänomen auf Tumblr bezogen erklärt wird.

Ich möchte nochmal klarstellen, dass nichts verwerflich daran ist, Charaktere miteinander zu shippen. Das ist Privatsache und man kann das halten, wie man möchte. Es ist das öffentliche Niederschreiben von sexuellen Akten und Beziehungen zur Freude von Personen außerhalb dieser Sexualität, was mich stört. Es fühlt sich an wie ein Käfig. Alle starren von außen auf einen wie in einem Zoo. Man wird ausgestellt für die Unterhaltung anderer. Es hat absolut nichts mit Bewunderung zu tun, wenn man nur deshalb im Gay-Genre schreibt. Erwachsene AutorInnen, die damit ihr Geld verdienen, bereichern sich an Stereotypen und Fetisch.


Realismus als Grundlage?

Genau wie 50 Shades of Grey keinen realistischen BDSM darstellt, so sind auch die Darstellungen von Beziehungen und Sexualpraktiken im Gay-Genre fragwürdig recherchiert.

Sie werden überzogen und als besonders dargestellt, obwohl sie es eigentlich nicht sind. Leser*innen sehen das und beziehen das auf die Realität. Und dann sind wir beim Kernproblem angekommen: Was darf man als Autor*in und was nicht? Wo hört künstlerische Freiheit auf?


Auf die Probleme, die bei kompletter, künstlerischer Freiheit im Umgang mit marginalisierten Gruppen entstehen, gehe ich in diesem Artikel gesondert ein: Als Autor*in darf ich alles – Stimmt das?


Ist es legitim sich als AutorIn auf künstlerische Freiheit zu beziehen, wenn man damit aktiv Schaden bei einer eh schon marginalisierten Gruppe verursacht? So wie übermäßig fetischisierte Pornografie misogyne und homophobe Werte vermittelt, so sind auch die Bücher des Gay-Genres oft problematisch.

Das Gay im Schafspelz

Aber anders als Pornografie, die offen damit umgeht, dass sie problematische Inhalte wie Misogynie, sexuelle Gewalt oder Bestialität enthält, verstecken sich die Bücher des Gay-Genres. Sie maskieren sich als romantische Romane und werden auf Buchmessen gezeigt, gefeiert und verkauft.

Ich möchte nicht sagen, dass alle Bücher aus diesem „Genre“ so sind. Im Gegenteil. Viele Autor*innen, die ich persönlich kenne, geben sich sehr viel Mühe, neben dem Gay einen richtigen Plot zu kreieren und nicht nur unrealistischen Sex und Stereotypen abzubilden. Aber wenn man durch eine Messe läuft und eine ganze Sektion dort voller Bücher ist, die sich nicht mal die Mühe machen zu googeln, wie das jetzt eigentlich beim Sex zwischen zwei Männern abläuft, dann verliert man den Glauben in das Genre.

Die Fetischisierung einer ganzen Sexualität

Wenn jemand so über Homosexuelle schreibt, sehen andere sie nicht als Menschen. Auf eine gewisse Art und Weise sehen auch die Autor*innen sie nicht als Menschen. Sie werden zum reinen Objekt heteronormativer Neugierde auf das Fremde.

Eine Sexualität wird zum Fetisch für heterosexuelle Frauen, die ihre Sexualität zu weilen als „ich stehe auf Schwule(n Sex)“ beschreiben. Jahrhundertelang war Homosexualität eine Krankheit und wurde nicht ernst genommen. Jetzt stellen sich Autor*innen, die die Sexualität ebenfalls nicht ernst nehmen und sich nur daran bereichern wollen, als offene Aktivist*innen für Fairness dar.

Diese Bücher verkaufen sich und werden vervielfältigt und prägen die Sicht von Menschen auf Homosexualität. In vielen Geschichten sind die einzigen Merkmale einer männlichen Figur sein Sixpack und seine Sexualität. Stereotype werden von Menschen verbreitet, die sich selbst nie wegen ihrer Sexualität verteidigen mussten.


Ausschnitt aus dem Originalartikel:

Wenn die einzigen Merkmale einer Figur seine Sexualität und Probleme, die Eng damit verknüpft sind, sind, dann ist das furchtbar toxisch. Autor*innen in diesem „Genre“ verbreiten Stereotypen und das vermutlich, ohne es zu wissen. Weil sie sich nie Gedanken über so etwas machen mussten. Weil ihre Sexualität nicht in Büchern als süß oder interessant oder exotisch beschrieben wird. Deren Sexualität wird nicht auf drei Merkmale reduziert, die in jedem Buch gleich sind. Und nicht jedes Buch mit heterosexuellen Beziehungen dreht sich um die Selbsterkenntnis dieser Sexualität oder um Probleme die nur auftreten, weil man hetero ist.

Zumal sie diese Probleme einfach nicht verstehen können. Ebenso, wie sie den Alltag einer homosexuellen Person, die mit Stereotypen und Verurteilungen zu kämpfen hat, nicht verstehen können. Ohne die richtige Recherche bringen selbst Romane, die Gutes tun wollen, nichts weiter als Klischees und Fetisch mit sich.

Outings enden beispielsweise nie. Sie dauern das ganze Leben lang an. Selbst bei Menschen, denen man theoretisch vertraut, hat man Angst vor Ablehnung. Es ist nicht alles für immer fröhlich und sonnenbeschienen, nur weil man sich einmal geoutet hat und alle es okay finden. Leben mit einer diversen Sexualität ist konstanter Stress.

Ein anderes Beispiel ist Sex. Sexpraktiken, wie man sie aus Fanfictions und schlechten Gayromance-Geschichten kennt, sind großflächiger Unsinn. Es wird so getan, als würden alle Menschen einer Sexualität das Gleiche gut finden. Das ist, als würde man allen Hetero-Pärchen immer nur eine Stellung zuschreiben und alles andere, was Sex ausmacht, ignorieren. Und dann ist die eine beschriebene Stellung nicht mal realistisch, sondern grenzwertig, weil sie ohne beidseitigen Konsens und einfachste Biologiekenntnisse auskommt.


Fazit

Die Beziehung, der Sex und das Innenleben der Figuren in Gay-Romanen ist für heterosexuelle Leser*innen optimiert. Das hat nichts mit offener, diverser Literatur zu tun und sollte auch nicht als solche zelebriert werden.

Die LGBTQA+ Community wird von vielen Seiten bedroht. Es ist in manchen Teilen der Welt verboten nicht cis und hetero zu sein. Es gibt jedes Jahr Angriffe und Schießereien, die als Hatecrime gegen die Community vorgehen wollen. Ebenso gibt es noch Konversionstherapie und sogar Exorzismen gegen alles, was nicht dem heteronormativen „Standard“ entspricht. Gerade Männer aus der Community sind häufiger suizidgefährdet, nicht zuletzt, weil sie den Stereotypen, die toxische Maskulinität von Homosexuellen erwartet, nicht entsprechen wollen oder können.

In einer Welt, in der es diese Dinge noch gibt, Homosexualität als „süß“ zu bezeichnen, zeugt von einer massiven Naivität. Und Naivität ist keine Ausrede dafür, toxische Geschichten zu schreiben, die es Menschen die eh schon genug zu kämpfen haben, noch schwerer machen, akzeptiert zu werden.

Und falls jetzt noch jemand daran zweifelt, ob es den angesprochenen Autor*innen nicht vielleicht doch um Aktivismus und Diversität geht: als ich diesen Artikel (in einer etwas persönlicheren Form) im Februar erstmals veröffentlichte, wurde in einer großen Facebookgruppe für Gayromance über mich und den Artikel diskutiert. Dabei schrieb eine Nutzerin etwas, was meine Kritikpunkte sehr deutlich illustriert:

„Die scheiß Kampflesbe soll sich nicht so anstellen. Wenn Schwuchteln sich an meinen Büchern stören, sollen se mir das selber sagen.“


Ein positiver Ausblick

Es gibt Romane, die divers sind und dabei keine Klischees bedienen. Die diverse Sexualitäten respektvoll darstellen. Deutsche AutorInnen haben, gerade wenn es um homosexuelle Männer geht, einiges aufzuholen. Denn viele dieser positiven Beispiele (zumindest der, die ich gefunden habe) kommen aus den USA, Australien oder Frankreich.

Im Bereich Gayromance habe ich tatsächlich bisher niemanden gefunden, dessen/deren Buch 100%ig zu diesem „Genre“ zählt, bzw. der/die/nb sich freiwillig als Autor*in in diesem Bereich bezeichnen würde. Hier also einige Tipps für die Umsetzung von Queerness, wie sie eigentlich sein sollte:

Weitere Links zum Thema

Fetischisierung von Homosexuellen auf Tumblr

Fetischisierung von heterosexuellen Charakteren als homosexuell

Fetischisierung von Lesben in den Medien

Ernste Probleme mit der Fetischisierung von Bi- und Homosexuellen Frauen

Ein Hot-Take von Autorinnenkollegin Anja Stephan

Autor: Michelle Janßen

Michelle Janßen ist eine süddeutsche Bloggerin, Journalistin und Autorin. Sie studiert deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte. Auf Büchnerwald bloggt sie medienkritisch über Politik, Geschichte und (online) Medien.

26 Kommentare zu „Wenn Heteros über Homos schreiben“

  1. Großartiger Beitrag! Vielen Dank dafür.
    Ich stimme dir dabei voll zu. Wieso gibt es nicht einfach mal eine Fantasy-Story, in der die Hauptfigur trans ist und die Welt rettet, ohne dass dabei ihr Trans-Sein problematisiert werden müsste? Wieso gibt es nicht lesbische Kriminalkommissare, die einen Serienmörder schnappen? Wieso gibt es nicht Familiendramen, bei denen ein Kind polyamorös ist, ohne dass das Inhalt des Familendramas ist? Etc, etc, etc.

    So wünschenswert es ist, dass wir mehr Repräsentation schaffen, es wird immer wichtig bleiben, WIE diese Repräsentation erfolgt. Dass du dir die Zeit genommen hast, da Einblick zu verschaffen: danke dir! Grade mit so vielen Beispielen – dass man heterosexuelle Figuren aus Medien als homosexuell umdeutet, ist auch so ein Ding, klar, gehört das dazu, aber drüber nachgedacht hab ich noch nie. Vielen Dank für dieses Augen-Öffnen und Anreiz-Geben.

    Liebe Grüße,
    deine Kira

  2. Danke für deinen schönen, ehrlichen Artikel ❤

    Vieles davon hat mich tatsächlich in der Art und Weise, wie ich queere Personen in meinen Geschichten repräsentiere, bestärkt, das freut mich. Und an sich arbeiten kann und muss man ja ohnehin ein Leben lang.

    Was mir persönlich die Entscheidung, ob und wie ich LGBTIA+-Figuren in meinen Werken einbinde, erschwert, ist die Tatsache, dass es Fraktionen im queeren Bereich gibt, die sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. Die einen – wie du – stehen dafür ein, mehr LGBTIA-Repräsentation zu schaffen und dabei auch den Mut zu haben, über die typischen, häufig thematisierten schwulen Beziehungen hinausgehen. Die anderen sagen, wer selbst cis und/oder hetero ist, sollte generell die Finger von LGBTIA-Themen lassen und das Feld lieber denen überlassen, die ihre persönlichen Erfahrungen einbringen können.

    Ich kann letzteren Wunsch sehr gut verstehen, gleichzeitig sorgt dieser Appell aber auch dafür, dass ich mich bisher noch nicht getraut habe, über die Beschreibung homosexueller oder bisexueller Beziehungen in meinen Büchern hinauszugehen. Die Sorge, dass ich beim Recherchieren einen Fehler mache, ist einfach immer da. So ein komplexes Thema wie das Leben als Transmenschen stimmig umzusetzen, ist eine riesige Herausforderung, und es besteht immer die Gefahr, dass man zwar die Erfahrungen einer Person gut umgesetzt bekommt, denen einer anderen Person aber vollständig widerspricht. Das wäre mir sehr unangenehm.

    Insofern, ja, vielleicht ist es Feigheit, die Autoren/innen davon abhalt, sich komplexeren LGBTIA-Themen zu nähern. Ich denke auch, dass finanzielle Aspekte im Vordergrund stehen. Schwule Geschichten verkaufen sich hervorragend, andere queere Geschichten weit weniger gut. Das ist traurig und sollte beileibe kein Argument sein, aber wenn man vom Schreiben leben will oder muss, kann man unter Umständen nicht anders, als auf die Verkaufbarkeit zu achten. Da besteht also bei Verlagen, aber auch bei Leserinnen und Lesern noch viel Nachholbedarf.

    Übrigens musste ich bei meiner letzten VÖ, die auch eine schwule Romanze beinhaltet, echt darum kämpfen, keinen halbnackten muskelbepackten Typen aufs Cover zu bekommen. Diese Fetischisierung nervt mich nämlich auch massiv. Trotzdem ist es das, was die Verlage verkaufen und die Leser sehen wollen. Von daher sollten sich nicht nur alle Autorinnen und Autoren mit dem Thema befassen, sondern ich fände es auch schön, wenn man als Leser/in darüber reflektiert, was man aus welchen Gründen kauft oder lesen will. Das ist bei der Romantisierung von Missbrauchsbeziehungen, über die ich ja erst neulich geschrieben habe, genau dasselbe. Jeder darf seine Guilty Pleasures haben, aber man sollte aufpassen, was das bei einem selbst und bei anderen bewirkt.

  3. Einfach danke! ❤️

    Ich habe schon häufig über das Thema nachgedacht. Auch wenn ich heterosexuell bin und mir nicht anmaßen möchte Ahnung über alle anderen Sexualitäten und die Menschen und ihre Gedanken, Gefühle, Probleme zu haben finde ich es schade, dass in vielen Romanen alles so klischeehaft ist und genau diese Gruppen zu Randgruppen gemacht werden indem sie als etwas ungewöhnliches dargestellt werden, obwohl der Autor genau DAS ja scheinbar vermeiden wollte, dadurch dass er über solche Themen schreibt.

    Lieben Gruß und alles Gute!
    Nicci

  4. Hat dies auf Trallafittibooks rebloggt und kommentierte:
    „Wir sind nicht süß. Wir sind nicht da, damit sich heterosexuelle Menschen freuen können.“
    Danke für diesen ehrlichen und wichtigen Beitrag.

    Auch, wenn ich mir nicht anmaßen möchte, über Gedanken & Gefühle Menschen aus der LGBT+ Community zu urteilen, habe ich schon oft über dieses Thema nachgedacht. Ich finde es schade, dass in vielen Romanen vieles so klischeehaft dargestellt wird und genau diese Gruppen zu Randgruppen gemacht werden, indem sie als etwas ungewöhnliches dargestellt werden, obwohl der Autor genau DAS ja scheinbar vermeiden wollte, dadurch dass er über solche Themen schreibt.

  5. Danke.
    Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele.
    Es trifft genau das, worüber ich solange nachgedacht habe. Du hast die Problematik perfekt auf den Punkt gebracht. Die Normalität wird vollkommen außer Acht gelassen. Der Punkt, dass alles zum Spektakel wird, hast du wahnsinnig gut herauskristallisiert. In ein paar Romanen tauchen mittlerweile alle möglichen Arten von Beziehungen am Rande auf, ohne, dass dabei eine Bombe platzt. Allerdings ist es viel zu selten. Man hat das Gefühl, viele hätten Angst das Thema überhaupt anzusprechen, weil sie vielleicht sonst etwas falsch machen, statt sich zu informieren oder sich mit der Thematik überhaupt wirklich auseinanderzusetzen.

    Schöne Worte ❤

    Alles Liebe,
    Sarah

  6. Vielen Dank für diesen Beitrag! Lange konnte ich meine Gefühle zu diesem Thema nicht im Worte fassen. Ich hoffe, dass auch alle weiteren Leser deine Worte so verstehen, wie sie gemeint sind. Ich lasse dir einen liebe Gruß da und freue mich sehr über deinen wichtigen Beitrag!
    Hannah 🙂

  7. Wow, was ein hammer Beitrag, danke dafür!
    Ich hab noch nicht viele Bücher gelesen, in denen es um LGBTQA+ Beziehungen ging, weil es abschreckt. Man, bzw ich, hab die ganze Zeit dieses Bild im Kopf, dass du auch beschreibst: übertrieben dargestellte homosexuelle Beziehungen. Ich habe erst kürzlich ein Buch zuende gelesen, in dem das Thema so aufgegriffen wird, wie du es dir wünscht: Die Protagonistin ist bisexuell. Sie lernt ein Mädchen kennen, daher wird die Thematik natürlich angeschnitten, aber total unaufgeregt und die Dialoge sagen auch aus, dass es eben eine ganz normale Beziehung ist. Im Vordergrund geht es um ganz andere Problematiken. Es war wirklich toll dargestellt von der Autorin, aber ich hab mich über dieses Unaufgeregte erst gewundert und dann über mich selbst – weil man einfach etwas anderes erwartet hat. Und das kann es einfach nicht sein. Ich will mir nicht anmaßen zu wissen, wie es tatsächlich richtig dargestellt wird. Aber wenn mehr Geschichten auf diese Weise, einfach unaufgeregt, erzählt werden würden, dann wäre die Schwelle glaube ich niedriger bei einigen, um sich mit dem Thema richtig auseinanderzusetzen. Wirklich großartiger Artikel.
    Liebe Grüße Michi

  8. Dankeschön für den ehrlichen Beitrag!

    Ich stimme dir da in sehr vielen Dingen zu und vorallem die jungen Gay-Love-Schreiber-Frauen, die derzeit aus allen Ecken sprießen, wie die Pilze, gehen mir ganz ehrlich gesagt unheimlich auf den Keks! Ich glaube ich habe an die fünfzig Bücher im letzten halben Jahr spätestens nach der ersten „erotischen“ Szene abgebrochen, weil ich es einfach nicht mehr ertrage. Es liest sich bei 99% wie ein Abklatsch vom Abklatsch vom Abklatsch, als hätten alle den selben, ausgedörrten Gen-Pool.

    Ich denke das Problem, warum diese seichten Storys auch gekauft werden wie blöde, ist, das Bücher von heterosexuellen Frauen mit wenig Ahnung von realistischem schwulem Sex hauptsächlich von heterosexuellen Frauen mit wenig Ahnung von realistischem schwulem Sex gekauft werden!
    Da haben zwei Männer ohne Gleitgel spontan Trockensex ohne jegliche Vorbereitung und beide finden es megageil, weil bei Frauen geht das ja auch. Nebenbei verhält sich mindestens einer der beiden Männer fast immer wie eine Frau … aber keiner merkts.

    Wo ich allerdings ein Veto einlegen will, ist, das es keine Autoren gibt, die auch über trans Helden etc. schreiben! Ich bin vor zwei Jahren auf die Bücher von Akira Arenth gestoßen, das ist ein homosexueller Autor, der hauptsächlich über sehr kontroverse Themen schreibt. Seine Hauptprotagonisten sind Außenseiter jeder Art, meistens schwul, weil er, nach eigenen Aussagen, sich damit eben am besten auskennt, aber er hat auch schon über eine heterosexuelle Kriegerin geschrieben, sowie über einen jungen Transmann, der seinen Partner nach einem Flugzeugabsturz findet. Er schreibt auch über Inzest, Zwangsprostitution oder Fantasy Bücher, aber was die zwischenmenschlichen Dinge angeht, so kann ich mir bei ihm sicher sein, das ich realistische Szenen lese, die sehr individuell sind. Viele seiner Bücher beruhen sogar auf wahren Begebenheiten, die er selbst, oder Freunde von ihm erfahren haben.

    Kurzum – es gibt noch Hoffnung!

  9. Guten Morgen!

    Danke für diesen absolut guten und ehrlichen Beitrag!
    Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe, wenn ich mich recht erinnere, noch nie wirklich etwas gelesen, wo es um LGBTQA+ Beziehungen geht. Vielleicht aus genau dem Grund, den du beschreibst, aus „Angst“ es könnte einfach total überspitzt dargestellt werden. Und darauf habe ich einfach keine Lust. Das ist nicht realistisch (klar, viele Bücher sind es nicht, aber wir reden hier ja nicht über Fantasy).

    Vielleicht kennst du ein Buch (gerne auch mehrere) von denen du sagst, das ist realistisch, nicht überspitzt und völlig normal beschrieben? Für eine Empfehlung wäre ich sehr dankbar!

    Liebste Grüße,
    Wiebi

  10. „Sprecht mit uns“ — gut, ich versuche es doch noch mal. Auch wenn unsere Kommis vermisst gemeldet werden.
    Ich dachte mal, nur ich schreibe sowas — das ist 45 Jahre her, da gab es noch nicht einmal die Idee von Fanfiction.
    Wenn alle Leute Homosexuelle süß finden würden, würde niemand mehr auf diese schießen, sondern sie würden auf den Schultern durch die Menge getragen werden. Und so, wie man irgendwann anfängt, die Menschen ernst zu nehmen, sie zu respektieren, auch wenn man sie als Kinder süß fand, so ist dieses „süß finden“ Ausdruck der Liebe.
    Heterosexuelle Frauen schreiben Romane über homosexuelle Männer, weil sie sie lieben.

    1. Liebe Lilith,
      eure (?) Kommentare sind aus einem gewissen Grund verschwunden. Ich wollte es mir ersparen eine solche Diskussion einzugehen aber nun gut. Dann wollen wir mal:
      Leuten die auf uns schießen ist es egal, ob andere uns süß finden. Wir werden nicht durch die Menge getragen, wir werden verniedlicht und entmenschlicht. Wir sind keine richtigen Menschen, wir sind Subjekte die irgendwie schwul sind aber eigentlich haben die AutorInnen keine Ahnung von unserer Homosexualität und schreiben das nur, weil sie damit entweder Geld machen wollen oder sich daran aufgeilen.
      Wir sind kein Fetisch. Wir sind nicht dafür da, dass ihr uns süß findet. Ebenso wie Schwarze nicht süß sind. Oder behinderte Menschen. Wenn ihr über uns schreibt, weil ihr uns liebt habt ihr keine Ahnung, wer wir sind. Wir sind Arschlöcher und Eltern und StudentInnen und Bauarbeiter und suizidgefährdete Teenager und tote auf einer Liste eines Massenshootings. „Wir“ sind keine homogene Gruppe an Menschen, die man süß finden kann. Wir existieren für uns. Nicht für euch.

      Es gibt Menschen, die über uns schreiben, um uns zu helfen. Und es gibt Menschen, die über uns schreiben, ohne sich für die Menschen hinter dem Wort „Homo“ zu interessieren.

      1. Nur kurz zur Ergänzung, denn ich stimme dir in allen übrigen Punkten zu: Es gibt durchaus Autor*innen für die die sexuelle Ausrichtung zweitrangig ist. Das sind die, die genauso AUCH über queere Personen schreiben, wie sie AUCH über heterosexuelle Cisse schreiben, weil sie echt wirkende Charaktere erschaffen wollen und keine Klischees. Die Sexualität ist nur eine Facette des Menschseins, aber sie definiert niemanden vollständig (jedenfalls nicht, wenn die Person gesund ist – in der Psychiatrie kennt man garantiert ein paar Ausnahmen).

      2. Fein, so hat meine Provokation doch gefruchtet. Doch, ich weiß sehr gut, wie Schwule ticken. Ich habe seit den Anfang Siebzigerjahren sehr viel Zeit mit vielen von ihnen verbracht, enge Freunde, tägliche Kontakte. Sie haben mich auch in das eingeweiht, was ich nicht mit eigenen Augen sehen konnte, weil dort Frauen nicht eingelassen werden. Ich würde mich durchaus als Girlfag einstufen, das wurde mir schon vor 40 Jahren klar. Ich habe das Ringen um Emanzipation der Schwulen sehr gut mitbekommen und respektiere sie wie jeden anderen Menschen.
        Darum habe ich seit eben jeder Zeit solche Bücher geschrieben, wie sie hier auf dem Prüfstand stehen. Natürlich gibt es Produkte, die man in die Tonne treten kann, neben solchen, die mich wirklich ansprechen. Es ist gerechtfertigt, Kritik zu üben. Aber die Beispiele umfassen keineswegs das ganze Genre, sie sind die Negativ-Beispiele.
        Und es ging so ein bißchen aus dem Anfangsartikel hervor, dass du dir vielleicht nicht vorstellen magst — kannst? —, dass die Vorstellung von schwuler Liebe eine eigene Devianz ist. Es ist eine so mächtige Fantasie, dass sie gleich mächtig neben anderen Sehnsüchten stehen kann. Es gibt Männer, die nur von der Vorstellung eines männlichen Körpers geil werden. Es gibt Frauen, die nur von der Vorstellung eines weiblichen Körpers geil werden. Und — es gibt Frauen, die nur von der Vorstellung von schwuler Liebe geil werden. Wo setzt du da die Grenzen der Berechtigung?
        Sind das nicht alles Facetten der menschlichen Erotik?
        Und hatten wir uns nicht vorgenommen, alle diese Facetten im Regenbogen gemeinsam gelten zu lassen?
        Übrigens liegt der lesbischen Kritik an schwuler Literatur von Frauen für Frauen ein kleiner Denkfehler zugrunde, nämlich dass wir nicht wüssten, wovon wir reden. Viele von uns haben Sex mit Männern gehabt, mit einem, mit mehreren, waren oder sind verheiratet. Sollte uns das nicht in die Lage setzen, Verbindliches über die Natur des Mannes aussagen zu können? Und ergibt sich dadurch nicht so manche richtige Aussage auch über den schwulen Mann?

  11. P.S. nur zu deiner Kenntnis: Die Zwischenfrage (eure?) enthält die Vermutung, ich hätte mich dreimal mit zwei Fake-Profilen zu Wort gemeldet. Das ist nicht richtig. Es handelt sich um zwei weitere Autorinnen, die gleichzeitig (!) mit mir Kommentare verfasst haben. Wenn du die Hochladezeiten abgleichst, wirst du sehen, dass das Kunststück, drei inhaltlich ähnliche, aber in der Ausdrucksweise verschiedene Kommentare zu senden, nicht einmal mir gelingen würde 🙂

    1. Mit dem eure (?) wollte ich eigentlich vermitteln, dass ich nicht genau weiß, was du mit dem Terminus „wir“ gemeint hast.
      Mittlerweile weiß ich, dass ihr in eurer Facebookgruppe über mich diskutiert (übrigens ohne, dass ich mich wehren kann, was schon einiges über euch aussagt).

      Eine Sexualität ist keine Fantasie. Deine Vorstellungen von Homosexualität sind ein Fetisch. Nur weil du Schwule kennst, hast du keinen Freibrief für alles.

      Weil ich diese absolut unsinnige Diskussion nicht weiterführen werde schließe ich jetzt die Kommentare unter diesem Post. Ich habe sehr viele AutorInnen damit erreicht und kann sehr gut damit leben, dass es einige gibt die nicht gewillt sind auf die Message im Post einzugehen und vielleicht mal über sich selbst zu reflektieren.

      Die Tatsache, dass du zugegeben hast, dass es eine simple Provokation war, sagt viel über dich aus. Zum Beispiel, dass du nicht diskutieren möchtest. Du, genau wie der Rest der Kommentarschreiberinnen, willst einfach recht haben. Du willst, dass Leute das lesen und sagen „jap! Die da hat recht!“ Und weil mein Artikel so viel Zuspruch bekommen hat fühlt ihr euch angegriffen. Weil Leute euch nicht mehr Recht geben.
      Ich hoffe ehrlich, dass zumindest ein paar von euch auf Menschen wie mich (die tatsächlich in der LGBTQA+ Szene verankert sind) hören. Ich kann nicht alle bekehren und das war auch nicht das Ziel. Eure Kommentare machen am Ende des Tages nichts anderes, als absolut alles zu bestätigen wovon ich im Artikel schreibe.

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