Respekt zwischen Autor*innen in Sozialen Medien

Respekt zwischen Autor_innen in den Sozialen Medien

Respekt zwischen Autor*innen in Sozialen Medien



Tw: Antifeminismus, Kraftausdrücke


Disclaimer: Dieser Artikel wurde bereits 2017 veröffentlicht, Mitte 2018 auf dem neuen Blog veröffentlicht und nun überarbeitet und erneut veröffentlicht. Mit diesem Artikel sollen keine einzelnen Autor*innen angegriffen werden, es handelt sich um einen reinen Meinungstext zu Onlinekultur und Kritikfähigkeit.



Marketing in den sozialen Medien: Von Autor*innen – Für Autor*innen

Im 21. Jahrhundert ist das Marketing für Autor*innen abhängig von sozialen Medien. Vernetzung findet über Facebook, Blogs und Webseiten wie der Schreibnacht, Wattpad, etc. statt. Dabei nimmt Twitter zunehmend einen zentralen Punkt ein. Denn Twitter ermöglicht es Autor*innen unter anderem mithilfe von Hashtags ihre Fortschritte zu teilen – mit Kolleg*innen, Fans, Leser*innen und komplett Außenstehenden.

Kommunikation ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Der Umgang zwischen Autor*innen auf diesen Seiten ist in der Regel freundlich, meistens kollegial und bestenfalls unterstützend. Veröffentlichungen und Gewinnspiele werden geteilt, man tauscht sich über Ideen, verrückte Lektoratsmomente und den Stress des Schreibens neben dem Alltag aus. Respekt und Höflichkeit sollten hier gegeben sein.

Schwarze Schafe

Wie das im Internet nun aber leider üblich ist, gibt es schwarze Schafe. Also Menschen, die den Umgang mit anderen Autor*innen und die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, nicht wertschätzen können/wollen. Das man es (gerade als Frau) oftmals mit Trollen zu tun hat, darauf stellt man sich ein, wenn man Twitter beitritt. Irgendwie gehört das ja zur gesamten Erfahrung von „Mensch im Internet“ dazu. Wenn die Respektlosigkeit und die Kommentare jedoch aus den eigenen Reihen kommen, dann beginnt man sich als Autor*in seltsam zu fühlen.

Kein Mensch ist perfekt. Jede*r macht mal Fehler, verhält sich falsch und/oder legt sich mit anderen an. Da stelle ich selbst keine Ausnahme da. Doch wenn beide Parteien erwachsen handeln, ihren Konflikt lösen und sich die „schuldige“ Person entschuldigt, um auf eine friedliche Basis zurückzukehren oder man sich fortan einfach aus dem Weg geht, ist das alles ertragbar. Das Problem liegt bei Wiederholungstäter*innen und Menschen, die ihre Fehler nicht einsehen wollen.

Respekt und Community

Ob man nun auf Webseiten respektlos gegen andere Mitglieder der Community vorgeht, beleidigende Blogeinträge über Bücher oder andere Autor*innen verfasst oder auf Twitter seine Kolleg*innen verreißt – man verhält sich falsch. Streits, die man in die sozialen Medien zieht, sagen einiges über die Person aus, die den Schritt in die Öffentlichkeit macht.

Unsicherheit und fehlende Reife zeigen sich durch Beiträge wie: „Schaut her! Diese Person/diese Feministin/diese Bitch hat mich blockiert, haha! Wie lächerlich!“ oder „Schaut her! Ich habe ein privates Gespräch mit dieser Person und teile das mit euch (ohne Zustimmung der Person), um sie ins Lächerliche zu ziehen und Zustimmung von euch zu bekommen!“ – Solches Verhalten irritiert vor allem die Menschen auf der anderen Seite, aber auch andere Kolleg*innen außerhalb.


Damit meine ich keine (!) generellen Callouts, sondern Kolleg*innen, die sich gegenseitig ihrer Bubble zum Fraß vorwerfen. Das passiert oft nach einem Callout und soll diesen nachahmen, was den Menschen jedoch kaum gelingt.


Natürlich kann man je nach Ausmaß rechtlich gegen solche Leute vorgehen, aber es geht um mehr als das. Es geht um Respekt. Um menschlichen Umgang miteinander. Besonders im Öffentlichen.

Was man darf und was man soll

Natürlich darf man die Meinung sagen. Man darf sich auch öffentlich über andere lustig machen oder einfach alle kritischen Stimmen wegblocken. Man darf so einiges.

Aber sollte man das als Autor*in ausnutzen? Die Antwort auf diese Frage kann man sich eigentlich denken. Kaum eine Berufsgruppe ist so auf die eigene Reputation und die Kolleg*innen in den Sozialen Medien angewiesen, wie Autor*innen. Erlaubt man sich deshalb einen Fehler, so ist die Reaktion, wenn man darauf angesprochen wird, entscheidend für die eigene Karriere.

„Alle sind gegen mich und verschwören sich/drohen mir damit, meine Bücher nicht mit zu promoten“ ist eine sehr schwache Reaktion auf die eigenen Fehler. Denn natürlich wird niemand mehr Marketingtweets der Person verbreiten, die sich in der Autor*innenenwelt einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Natürlich möchte niemand mehr mit so jemandem zusammenarbeiten.

Man ist auf sich gestellt und erfährt am eigenen Leib, dass es kaum Wichtigeres gibt, als andere Autor*innen, für das Marketing auf Twitter, Facebook und co. Dabei geht es nicht um eine persönliche Vendetta sondern darum, dass niemand mit der Person verknüpft werden will, die Kolleg*innen bloßstellt und respektlos um sich schlägt.

Folgen derer man sich bewusst sein muss

Man kann als Autor*in also Kolleg*innen beleidigen, sich über sie lustig machen, Informationen ohne Zustimmung der Menschen verbreiten und öffentlich gegen Werte eintreten, die von vielen Autor*innen vertreten werden. Man kann versuchen Aufmerksamkeit durch blanke Provokation zu erreichen. Man kann seinen Kolleg*innen permanent aufstoßen und passiv-aggressiv auf alles reagieren.

Will man als Autor*in jedoch jemals eine richtige Plattform in den sozialen Medien aufbauen und von anderen unterstützt und respektiert werden, so sollte man anfangen die Schuld bei sich selbst, statt bei anderen zu suchen. Dazu gehört es auch, sich richtig zu entschuldigen, die kritischen Stimmen zu entblocken und hoffen, dass all die Menschen, die man im Zuge seiner Fehler verletzt und getroffen hat, willig sind, einem eine zweite Chance zu geben.

Autor: Michelle Janßen

Michelle Janßen ist eine süddeutsche Bloggerin, Journalistin und Autorin. Sie studiert deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte. Auf Büchnerwald bloggt sie medienkritisch über Politik, Geschichte und (online) Medien.

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