Die Rettung des Popfeminismus

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Die Rettung des Popfeminismus


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Was ist Popfeminismus?

Feminismus gibt es in vielen verschiedenen Arten, wie etwa radikaler Feminismus, intersektionaler Feminismus und queerer Feminismus. Popfeminismus ist eine Art davon. Genau wie beim weißen Feminismus (oder white feminism) schließt der Popfeminismus Menschen aus dem Feminismus aus. Allerdings profitiert er von der Tatsache, dass die Unterarten des Feminismus oft Überlappen. Popfeminismus kann also weißer Popfeminismus sein oder intersektionaler Popfeminismus, etc.

Popfeminismus an sich zeichnet sich dadurch aus, dass die Medien einen wichtigen Teil spielen. Online Aktivismus und oberflächliche Behandlung in Film und Fernsehen oder in Zeitschriften. Auch Blogs sind oft vom Popfeminismus betroffen. Das wichtigste Merkmal hierbei ist: Aufmerksamkeit steht über Gleichberechtigung.

Das bedeutet, dass die Popfeminist*innen, nur deshalb über feministischen Themen schreiben, um sich selbst zu profilieren und ihre eigene Karriere anzutreiben. Sehr oft ist das, was sie schreiben dann uninformiert und oberflächlich. Ein Beispiel hierfür ist Sophie Passmann, die ein Buch zum Feminismus schreibt, in dem sie vor allem (weiße cis) Männer zu wichtigen Themen befragt. Sie weiß, dass sie dafür gefeiert wird, ohne wirklich progressive Arbeit gemacht zu haben. Die könnte ja ihrer Karriere schaden und das geht nicht, denn Popfeminist*innen sind vor allem eines: gemütlich.

Ihre Arbeit schafft es in die Medien, weil es angenehmer Feminismus ist. In dem vorrangig gemäßigte weiße cis Frauen und cis Männer, dafür aber kaum B-PoC und/oder LGBTQA+ Stimmen zu Wort kommen.

Warum Popfeminismus schadet, aber trotzdem wichtig ist

Popfeminismus kann anstrengend sein. Wie bereits geschrieben ist er vorrangig weiß und medienorientiert, was intersektionale Feminist*innen wütend macht. Das ist auch gut so. Popfeminismus darf niemals unkommentiert im Raum stehen.

Trotzdem ist er wichtig. Auch wenn es nervt, dass Kuschelfeminismus von Weißen, für Weiße die Runden macht und Menschen wie Sophie Passmann oder auch Jan Böhmermann davon profitieren, ohne wirklich hinter der Sache zu stehen – Popfeminismus erreicht viele Menschen. Vor allem eben auch cis Männer und junge Leute.

Natürlich wäre es ideal, wenn intersektionaler Feminismus so stark rezipiert werden würde, wie Popfeminismus. Aber so funktioniert die deutsche (bzw. westliche) Medienlandschaft einfach nicht. Stattdessen fungiert der Popfeminismus als eine Art Einstiegsdroge. Ein erster Kontakt mit dem Feminismus, der nicht abschreckt, sondern einlädt. Von da aus kann die Reise zu den eigenen Privilegien beginnen, die im Bestfall beim intersektionalen Feminismus endet.

Ist es schade, dass so etwas wie Popfeminismus existieren muss, um weiße Menschen (insbesondere cis Männer) zum Feminismus zu locken? Ja, definitiv. Funktioniert es? Ja! Und das ist der gute Teil, denn Popfeminismus leistet etwas wirklich Großartiges: Er bringt Menschen dazu, nachzudenken.

Ich selbst habe durch Popfeminismus angefangen, mich mit den Themen zu beschäftigen. Hätte mir damals jemand gesagt, wie privilegiert ich bin und was alles zu Feminismus gehört – ich wäre nicht nur überfordert gewesen, sondern hätte mich angegriffen gefühlt und abgeblockt. Das ist mir heute peinlich, weil ich selbst einen sehr Ins-Gesicht-Feminismus betreibe. Aber realistisch betrachtet brauchen wir den Popfeminismus. So nervig und gefährlich er auch ist.

Wie man Popfeminismus richtig konsumiert

Es spricht per se nichts dagegen, Popfeminismus zu konsumieren. Die Tatsache, dass er oft weiß und dementsprechend auch homophob/rassistisch/ableistisch/transfeindlich ist, darf man aber nicht vergessen. Deshalb ist es wichtig, das eigene Konsumverhalten konstant zu hinterfragen.

Feminist*innen, die einfach auf Trends aufspringen und dabei große Gruppen der Menschheit unter den sprichwörtlichen Bus zu werfen, sollten nicht einfach so gefeiert werden, weil sie ja grob in die richtige Richtung denken. Auch sie muss man darauf aufmerksam machen, dass sie einen Fehler gemacht haben. Das ist bei der Transfeindlichkeit der Rapperin Cardi B und Sängerin Taylor Swifts Ignoranz gegenüber der Aneignung anderer Kulturen (cultural appropriation) genauso, wie bei Sophie Passmanns Ausblendung von Frauen in ihrem Buch und Jan Böhmermanns Ziegenwitzen.

Gut gemeint ist nicht genug. Macht euch bewusst, dass diese Menschen das oft absichtlich machen, um eben medienkonform zu bleiben und sich die Bestätigung von einer größtmöglichen Menge an Personen zu sichern – nicht, um dem Feminismus zu helfen.


Anmerkung: Transexklusiver Feminismus, wie er beim Popfeminismus oft auftaucht, ist und bleibt tödlich und sollte niemals gefeiert werden. Wie auch bei anderen Formen des Feminismus gibt es bei Popfeminismus Abstufungen von denen manche besser zu ertragen (bzw. weniger gefährlich) sind als andere. Dies ist kein Aufruf um alle Arten des Popfeminismus unreflektiert zu feiern!

Autor: Michelle Janßen

Michelle Janßen ist eine süddeutsche Bloggerin, Journalistin und Autorin. Sie studiert deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte. Auf Büchnerwald bloggt sie medienkritisch über Politik, Geschichte und (online) Medien.

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