Elsa Osorio: Mein Name ist Luz [Rezension]

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Mein Name ist Luz

– Rezension –


TW: Adoption, Diktatur


Elsa Osorio schreibt auf 425 Seiten die Geschichte einer ganzen Reihe an Menschen auf, die gerade im ‚Westen‘ unbekannt ist. Sie erinnert Leser*innen daran, was vor wenigen Jahrzehnten auf der anderen Seite der Welt passierte und bis heute die Menschen dort beeinflusst.

Für diese Rezension wurde die deutsche Übersetzung des Romans von Christine Barckhausen-Canale gelesen, die im Insel-Verlag 2000 erschien.

Inhalt

In Mein Name ist Luz wird eine Suche beschrieben. Die Protagonistin sucht nach sich selbst, ihren Eltern und der eigenen Identität. Durch einen Erzähler*innenwechsel wird man dabei immer tiefer in das Geschehen hineingezogen.

1976-1983 wurden im Zuge der argentinischen Diktatur die Neugeborenen und jungen Kleinkinder von inhaftierten Regimegegnerinnen genommen und von hohen Militärs ohne Kinder adoptiert. Die Protagonistin des Romans, selbst Opfer dieser Praxis, versucht Jahre später herauszufinden, wo sie eigentlich herkommt und was mit ihren leiblichen Eltern geschehen ist.

Ein unbekannter Krieg

Auch wenn man eine generelle Vorstellung davon hat, was in den 60ern bis 90ern in Südamerika vorfiel, so ist es für uns im ‚Westen‘ eine abstrakte Vorstellung, was damals in Argentinien geschah.

Osorio beschreibt in einem dichten, packenden Schreibstil, was politische Machenschaften mit einer ganzen Bevölkerung machen können. Die psychologischen Folgen der Diktatur stehen im Vordergrund, nebenbei bietet der Roman eine dringend nötige Geschichtslektion an. Es werden, die, die es betrifft, beschrieben – auf beiden Seiten. Auch eine der Frauen, die keine Kinder hat und dringend eines möchte, kommt zu Wort. Zwischen den Zeilen liest man mehr, als nur die Geschichte einer jungen Frau, die ihre Eltern sucht.

Es geht um Identitätsfindung, häusliche Gewalt, Unterdrückung, politische Korruptheit und schieres Elend, alles vor dem Mantel der Machtkämpfe, die bis heute Südamerika verwüsten.

Es ist nicht wirklich ein durchgehender Roman, sondern vielmehr eine Collage aus Berichten, Erinnerungen und Geschichten, die wie in einer Ermittlung zusammengeschoben wurden, um herauszufinden, was damals wirklich geschah.

Fazit

Das heutige Südamerika wird noch immer von Diktaturen und politischen Machtergreifungen unterdrückt. Osorios Roman ist also mehr, als nur ein Blick in die Vergangenheit. Er deckt erschreckend ehrlich auf, was einen ganzen Kontinent beschäftigt und wie weit die Menschen in der Politik gehen, um ihre Ziele zu erreichen.

Autor: Michelle Janßen

Michelle Janßen ist eine süddeutsche Bloggerin, Journalistin und Autorin. Sie studiert deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte. Auf Büchnerwald bloggt sie medienkritisch über Politik, Geschichte und (online) Medien.

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