Westliche Weiblichkeit – Ein Blick auf Ideale und Kolonialismus

Kopie von Jungfräulichkeit in der westlichen Kultur

Westliche Weiblichkeit

Ein Blick auf Ideale und Kolonialismus


TW: Sexualisierte Gewalt, Rassismus/Sklaverei, mentale Gesundheit, problematische Wortwahl zur Veranschaulichung von sexistischen und rassistischen Problematiken (keine Slurs)


Disclaimer: Wenn weiße cis Frauen über Weiblichkeit sprechen fällt die historische Komponente, die uns als Mittäterinnen entlarvt, oft weg. Die Links in diesem Beitrag und am Ende führen zu passenden Beiträgen von BIPoCs, die ich versuche in einen historischen und kulturellen Kontext einzuordnen, der besonders das westliche Bild von Weiblichkeit kritisiert und offenlegt.


Wie die (westliche) Gesellschaft Weiblichkeit definiert ist seit etwa einem Jahrzehnt im Wandel. Jahrhundertealte Muster werden aufgebrochen und das ist etwas Gutes. Dabei wird oft von weißen cis Frauen darüber gesprochen, wie sie diese Ideale wahrnehmen – die Resonanz eines weißen westlichen Ideals in der weißen westlichen Welt wird in den Mittelpunkt gerückt. Das Problem ist, dass (wie auch bei umgekehrtem Rassismus oder Sexismus gegen cis Männer) die im Zentrum stehen, die eigentlich die Wurzel des Problems bilden. Weiße cis Frauen sind das, woran Ideale seit der Antike festgemacht werden. Wenn nur sie darüber sprechen (dürfen) wird ein Bild gezeichnet, in dem nicht nur BIPoCs, sondern auch trans Frauen und nichtbinäre Menschen, sowie inter Menschen und die restliche LGBQA*-Community fehlen.

Das soll nicht heißen, dass weiße cis Frauen nicht trotzdem negative Auswirkungen dieser Ideale erleben. Aber normschöne, weiblich gelesene, weiße, gebährfähige hetero-cis-allo Frauen stehen im Fokus, obschon sie nur die Oberfläche dieser Auswirkungen spüren.

Weiblichkeitsideale in der westlichen Geschichte

Um diese Problematik näher untersuchen zu können, muss man einen Blick auf die Ursprünge der westlichen Ideale werfen. ‚Unser‘ Bild von Frauen und Weiblichkeit kommt – wie so vieles in der westlichen Kultur – aus der Antike. In der griechischen Mythologie steht Weiblichkeit für Weichheit, Intelligenz und nur in seltenen Fällen für Stärke. Die weiblichen Figuren der Mythen wählen den Freitod, verwandeln sich in leblose Objekte, nehmen ihr Schicksal an oder verschwinden einfach, wenn sie nicht mehr wichtig für die Handlung sind. Einzelne Frauenfiguren wie die Göttin Artemis stehen zwar für ‚männlich‘ konnotierte Dinge wie die Jagd, sind dabei jedoch oft grausam in den Geschichten und werden (zumindest äußerlich) als grobschlächtig, muskulös und eben ’nicht weiblich‘ beschrieben. Hera, Athene, Gaia und Aphrodite stellen die Frauenfiguren da, die man als ‚ideal‘ sieht: Heimelig, weise, warm, vergebend, wunderschön und doch – werden sie betrogen, so sind sie Monster. Hera und Athene sind beide dafür bekannt die Frau, mit der sie betrogen wurden, grausam zu bestrafen, statt den Mann dafür verantwortlich zu machen. Verführung wird der Weiblichkeit zugesprochen und dementsprechend liegen die Konsequenzen. Dies ist nicht nur in der hellenistischen Antike der Fall. Im christlichen Glauben wird daraus die Geschichte von Eva und Adam, bei der die Frau den Mann dazu verführt den Apfel zu nehmen. Im Jüdischen gibt es Lilith, die nicht nur im Osten, sondern auch in der westlichen Welt als verführerischer Dämon bekannt wurde. Auch im alten Ägypten, der nordischen Mythologie, bei den Römern und in anderen germanischen Völkern gibt es dieses Bild der Weiblichkeit.

Die Vorstellung, dass gerade im Norden die Frauen als stark und gleichwertig gesehen wurden, ist ein netter ‚Funfact‘, der besonders in feministischen Diskussionen gerne zur Sprache gebracht wird. Tatsächlich gab es dort Kriegerinnen und die überzogenen weiblichen Stereotype, wie wir sie mit Griechenland verknüpfen, treffen weniger offensichtlich zu. Aber dies wird davon überschattet, dass es nirgendwo eine (protowestliche) Kultur gab, in der der weibliche Part nicht immer der weichen Mutterrolle entspricht und die zugeschriebene Intelligenz entweder einsetzt, um ihrer Familie zu helfen oder Männer zu verführen und grausige Rachepläne zu verfolgen. Weiblichkeit ist seit Jahrtausenden mit festen Rollenbildern verknüpft, die nur in wenigen Fällen, die oft interessante Geschichtsanekdoten abgeben, ausgehebelt wurden.


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La Folie, Wladislaw Podkowinski (1894)


Kolonialismus, Blackfishing, Sklaverei – die düstere Seite moderner Frauenideale

Es hat seine Gründe, warum die eigentlich westlichen Ideale in der ganzen Welt zu finden sind. Zahlreiche Europäer*innen der letzten Jahrhunderte verbrachten ihr Leben damit, die Ideale, die sich für ‚zivilisiert‘ hielten, auf dem ganzen Globus zu verteilen. Die Konsequenzen sind düster, denn gerade in Bereichen der Welt, in der weiße Menschen die Minderheit darstellen, sind Weiblichkeitsideale, die auf heller Haut und westlichen Schönheitsidealen basieren, tödlich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kontroverse skin bleaching treatments (Behandlungen um den Hautton permanent zu ändern) sind bis heute im Trend und vergiften besonders Frauen auf täglicher Basis, wie eine Untersuchung von Refinery29 zeigt. In großen Teilen Süd-Ost-Asiens sind die Chancen auf ein besseres Leben, einen guten Job und mehr Gehalt größer, wenn die Haut heller ist. Dabei geht es nicht zwingend darum europäisch auszusehen. Der internalisierte Hass auf dunkle Haut ist ein Überbleibsel des Kolonialismus, der in seinen Grundzügen ganze Gesellschaften permanent vergiftet hat.

Wie eine Frau heute auszusehen hat, ist in großen Teilen der Welt von der westlichen Sicht beeinflusst und das bedeutet Heteronormativität, radikale Einteilung von Menschen und ihrer Kleidung nach Geschlechterstereotypen, dünne, kleine Körper ohne viele Muskeln, lange, glatte Haare, helle Augen und helle Haut.

Es ist schwer dieses Bild wirklich anzuerkennen, wenn man sich in westlichen Ländern umsieht. Denn in diesen Teilen der Welt ist das Ideal nicht zwingend aktuell. Hier tragen weiße Menschen Dreads und Bindis und Braids – kulturelle Symbole, die lange dafür sorgten, dass ganzen Kulturen ihre Menschlichkeit und Weiblichkeit abgesprochen wurde. Gerade in der afroamerikanischen Kultur waren diese nun modischen Merkmale lange ein Anzeichen dafür, dass man rebelliert. Statt sich anzupassen, nahmen Frauen aus diesen Kulturkreisen nicht die Zeit und das Geld in die Hand, um möglichst ‚konform‘ auszusehen, sondern trugen ihre ‚provokanten‘ Haare und ihr Kulturerbe mit Stolz.

Die Tatsache, dass weiße Menschen diese spezifischen Kulturmarker nun nehmen, sich zu eigen machen und profitieren ist ein Problem bekannt als cultural appropriation (Kulturelle Aneignung) und verdient seinen eigenen Artikel von einer Person, die davon aktiv betroffen ist. Hier geht es darum, was dieses Phänomen mit dem Weiblichkeitsideal im Westen macht. Die weiße Popkultur stiehlt seit Jahrzehnten von der schwarzen, us-amerikanischen Kultur – sei es nun R&B, Rap, Gospel, Blues, Jazz oder Rock and roll, aber auch andere, bildende und literarische Kunst ist betroffen, sowie die Film-, Tattoo-, Haar- und Essenskultur. Es handelt sich nicht zwingend um einen Austausch, sondern um ein gezieltes Assimilieren von afroamerikanischen Errungenschaften durch die weiße westliche Kultur. Dieser Prozess kam vor einigen Jahren nun auch bei dem weiblichen Körper an und an dieser Stelle kommen wir zurück zum Kernpunkt dieses Artikels: Weiblichkeit ist jetzt ‚exotisch‘.

Weiße Frauen und weiblich Gelesene (aber besonders cis Frauen) definieren ihre (äußere) Weiblichkeit nun durch Kurven, große Lippen, dunkle Haut, krauses Haar und einen gewissen Slang, den sie als typisch afroamerikanisch kennenlernten und der ihrer Stimme etwas tiefes, ‚exotisches‘ geben soll. Diese Exotisierung von BIWoCs, die man bei Ariana Grande und den Kardashians besonders gut beobachten kann, führt dazu, dass immer mehr junge weiße Frauen diesem Beispiel folgen. Die eigentlich weißen Frauen in der Popkultur sammeln eine breitere Fanbase, da sie in ihrem neuen Look nun eher von BIPoCs unterstützt werden und stilisieren sich gleichsam als sexuell und ‚wild‘.

Es ist nun sexy so auszusehen, als wäre man mixed race, latinx oder lightskin black – alles Identifikationsmarker, die weiße Frauen von ihrem nun negativen Bild als ‚einfach weiß‘ zu etwas Besonderem machen. Und dies ohne wirklich die Konsequenzen zu spüren. Ariana Grande kann in ihrem 7 Rings Video so tun, als wäre sie schwarz und am Ende des Tages wäscht sie den Selbstbräuner ab und ist wieder das nette, weiße Mädchen von nebenan. Entschuldigt wird dies oft dadurch, dass man sagt, sie wäre Südländerin, wie etwa aus Italien – eine Ausrede die nicht zieht, wenn man sich an die europäischen Ideale aus eben diesen Bereichen der Welt erinnert, die seit der Antike unser Bild von Weiblichkeit definieren. Frauen wie Ariana Grande wachen nicht eines Tages auf und haben dunklere Haut – sie treffen eine Geschäftsentscheidung.

Auch (Instagram-)Model springen auf diesen Zug auf und profitieren mit einer Hautfarbe, die nicht ihre ist und die nicht nur jahrhundertelang unterdrückt und entweiblicht wurde, sondern bis heute negative Auswirkungen mit sich bringt. Die Verschiebung von dem Ideal der Weiblichkeit hin zu einer sexy hellhäutigen WoC ist kein Zufall und auch gar nicht so ideal, wie man jetzt vielleicht denkt.

Zunächst zu der Geschichte dieses Ideals. Blackfishing, wie das oben definierte Verhalten genannt wird, kommt aus einer dunklen Ecke der Geschichte: der Sklaverei. Selten wird von weiblicher Sklaverei gesprochen, dabei war sie ein sehr großer Teil des Ganzen. Sklavinnen arbeiteten oft im Haus und dienten den weißen Menschen direkt. Die hellhäutigen Kinder, die die Sklavinnen bald darauf hatten, waren ein direktes Anzeichen dafür, dass die weißen Männer nicht treu waren und wurden dementsprechend von weißen Frauen gestraft und gehasst. Später wurden gezielt diese hellhäutigen Frauen in den Hausdienst eingeteilt, um diese ‚Schande‘ zu verdecken. Sexualisierte Gewalt an schwarzen Frauen brachte hellhäutige schwarze Frauen in die Welt, die gezielt sexualisiert wurden. [In Australien wurden Frauen mit dunkler Haut mit weißen Männern verheiratet, um die Hautfarbe der Kinder zu erhellen und auch in Südafrika und Indien gibt es ähnliche Geschichten.] Aber die Sexualisierung stoppte nicht, als Sklaverei endlich endete. Schwarze Frauen, besonders die mit hellerer Haut, werden in den Medien bis heute verstärkt sexualisiert dargestellt und erleben weitaus mehr sexualisierte Gewalt als andere Gruppen. Basierend auf einem fürchterlichen Exotismus, der sie als sexuell offen darstellt, weil sie ja dunklere Haut haben und damit nicht die braven, netten Ideale treffen, die wir in der Antike für weiße Frauen festsetzten. Sich heute fälschlich als mixed race zu präsentieren, um sich als sexuell, wild und offen für alles zu zeigen, schafft weißen Frauen ein Alter Ego, in dem sie für ein paar Stunden am Tag zu sexuellen Objekten werden können, die nichts anderes, als ein Stereotyp von hellhäutigen schwarzen Frauen sind. Für Frauen, die tatsächlich diesen Hautton haben, endet die Farce jedoch nicht, sie bleiben ein sexuelles Objekt für den Rest ihres Lebens. Weiße Frauen können im Zweifelsfall wieder zu netten, unschuldigen Frauen werden, um der Sexualisierung zu entgehen. Moderne Weiblichkeitsideale im Westen sorgen dafür, dass endlos viele Frauen mit dunkler Haut zum sexuellen Objekt erklärt werden.

Am Ende des Tages ist diese Sexualisierung nicht nur gefährlich, sondern beeinflusst unser Ideal weniger, als wir oft glauben. Denn nicht genug, dass in weiten Teilen der Welt die europäischen Ideale der letzten Jahrhunderte noch immer aktiv sind, nein, auch hier hat sich das eigentlich nicht geändert. Klar ist es jetzt gerade ’sexy‘ und ‚im Trend‘ leicht dunklere Haut zu haben – aber nur als visueller Reiz in den Medien. Die, die noch immer bevorzugt werden, sind die weißen cis Frauen, die sich nicht ‚exotisch‘ oder ‚ghetto‘ geben, sondern das Privileg haben diese Marker aktiv zu wählen und auch wieder abzulegen.

Wir berauben schwarze Frauen also ihrer Identität, stilisieren sie als Sexobjekte, verdienen daran und am Ende sind wir trotzdem weiterhin das Ideal. Verführung wird seit der Antike der Weiblichkeit zugesprochen und die Konsequenzen für Betrug und sexualisierte Gewalt lagen deshalb früher bei Frauen allgemein, nun liegen sie besonders bei BIWoCs, da weiße Frauen seit dem 18. Jahrhundert als unschuldig und rein gesehen werden.


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Ogo


Die Frau in den Medien – eine konstruierte Identität

In der neueren Geschichte ist die weiße cis Frau eine irrationale Gestalt, deren Intelligenz eine emotionale Natur hat und die für alle ‚richtigen‘ Entscheidungen die Hilfe eines Mannes benötigt. Diese Ansicht wurde lange medizinisch mit der Hysterie bestärkt und auch Menstruation spielt eine Rolle in der Unterdrückung der Weiblichkeit in der Gesellschaft. Aber, und diesen Fakt darf man nicht vergessen, es sind nicht nur Männer, die diese Rollenbilder lebten und verbreiteten. So hart das Leben als weiße cis Frau auch war – alle anderen Frauen wurden ihrer Identität beraubt, um ihr Leben noch schlechter zu gestalten. Liebe, nette, treue, junge, weiße cis Frauen, die im Idealfall  auch noch gläubige Mütter waren, rückten sich in den Mittelpunkt der Weiblichkeit – alle die nicht in diese Sparte passten, wurden ihrer Weiblichkeit und damit ihrer Identität beraubt.

Schließlich traf es auch weiße queere, dicke und alte Frauen. Sie waren theoretisch Teil des eurozentrische Ideals und deshalb für eine lange Zeit schwerer zu entweiblichen als Frauen, die automatisch aufgrund ihrer Hautfarbe entfremdet wurden. Die sozialen Gepflogenheiten mussten neu angepasst werden, um sie gezielt auszuschließen. Hollywood spielte darin eine entscheidende Rolle. Dank Massenmedien war es plötzlich sehr leicht ein neues Ideal zu schaffen, was nicht nur auf weiße cis Frauen zugeschnitten war, sondern auf weiße cis Frauen die genau so aussehen und sich verhalten, wie man es von ihnen verlangte. Alte Frauen wurden aus den visuellen Medien verbannt, dicken Frauen wurde anhand von 1000 Telecommercials für Abnehmpillen und Home-Workout-Tapes gezeigt, was man von ihnen hielt, queere Frauen als Menschen, die eigentlich Männer sein wollen, stilisiert. Es traf diese Frauen spät, aber es traf sie.

Die bereits zuvor stark artifizielle Natur der Identität weißer Frauen wurde durch das neue Zeitalter weiter zugeschnitten. Es wurde schwerer und schwerer in den Typus zu passen und so begannen auch weiße cis Frauen zu verstehen, wie toxisch diese Ideale sind.


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Woman in front of mirror, Clementina Maude (ca. 1860)


Internalisierte Misogynie, Heteronormativität und Opferrollen

Man sollte meinen, dass nun, da auch weißen Frauen ihre Weiblichkeit abgesprochen wird, alle zusammenkommen würden, um das Ideal ein für alle Mal abzuschaffen. Dem ist nicht so. Rassismus und LGBTQA*-Feindlichkeit werden von weißen cis Frauen weiterhin systematisch genutzt, um sich über andere Frauen zu stellen. Die Opferrolle der weißen cis Frau dominiert die Medien bei jeder Diskussion über Weiblichkeit.

Und ja, es gibt Wege, wie weißen cis Frauen ihre Weiblichkeit abgesprochen werden kann. Aber die, die sprechen, sind fast immer normschön, weiblich gelesen, gebildet, haben lange Haare, einen funktionierenden Uterus, oft sogar Kinder und sind in einer heteronormativen Beziehung. Das, was sie als Raub ihrer Weiblichkeit sehen, sind lediglich Kommentare. Diese definieren manche Frauen als weniger weiblich, weil sie den Stereotypen nicht entsprechen und tun natürlich weh und schaden unserem Bild von Weiblichkeit. Aber weiße cis Frauen sind dennoch das Ideal. Wenn es uns schon so geht, wie geht es dann wohl den Frauen, die wir aktiv in den Hintergrund drängen, um unser Leidensnarrativ zu bestärken?

Leider haben weiße (cis) Frauen dann auch noch den Reflex, direkt in die internalisierte Misogynie zu fallen. Wenn (cis) Männer uns die Weiblichkeit absprechen, ist es besonders bei Jugendlichen eine automatische Reaktion, alles weiblich Konnotierte abzuwerten. Ich war auch mal ein ‚Gamergirl‘ und habe stereotypisch-weiblichere Frauen niedergemacht, damit man mir sagt, dass ich nicht so wie andere Frauen bin. Sondern besser, ‚chill‘ eben und nicht so viel Drama. Wir kennen alle diese Sprüche und das ist nicht die Lösung.

Frauen und weiblich Gelesene, die sich an diesem ‚Kampf‘ beteiligen wollen, müssen mehr aufeinander hören und gemeinsam an einem Strang ziehen. Dazu gehört auch, als weiße cis Frau, die alle (oder viele) Marker der Weiblichkeitsideale trifft, einfach mal leise zu sein. Weiße cis Frauen, egal ob dick oder dünn, jung oder alt, hetero oder nicht müssen realisieren, dass wir nicht der Mittelpunkt dieses Problems sind. Wir sind zu großen Teilen immer noch das Ideal und unsere Probleme sind real, aber nur ein Bruchteil von allem, was seit Jahrhunderten in diesem Sektor passiert. Wir haben diese Spaltung lange aktiv angetrieben und tun es noch heute, wie die weißen cis Frauen in der us-amerikanischen Politik, die es für arme (oft schwarze) Menschen mit Uterus schwerer machen, sicheren Zugang zu Abtreibungen zu erhalten.

Wir sind das Ideal, haben es mit aufgebaut und doch sind wir die, die öffentlich dazu sprechen und uns oft als reine Opfer darstellen. Wenn wir so weitermachen, wird diese Diskussion nie wirklich etwas verändern.


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Große Neeberger Figur, Wieland Förster (1971)

(Foto von Ben Kaden (2017))


Weitere Links

Über die Karikatur der schwarzen Frau (engl./Video)

Zu kulturellem Diebstahl in der weißen, westlichen Kultur (engl./Podcast)

Eine Buchdiskussion zum Thema Musikdiebstahl (engl)

Ein Videoessay zu Ariana Grande und den Kardashians (engl./Video)

Ein Videoessay über Blackfishing (engl./Video)

Ein Artikel über Blackfishing (deutsch)

 

Autor: Michelle Janßen

Michelle Janßen ist eine süddeutsche Bloggerin, Journalistin und Autorin. Sie studiert deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte. Auf Büchnerwald bloggt sie medienkritisch über Politik, Geschichte und (online) Medien.

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