Der Tod als Frau II – Die Amerikas, Afrika, Asien, Ozeanien

2

Der Tod als Frau II

Eine historisch-medienkulturelle Analyse

Die Amerikas, Afrika, Asien, Ozeanien

Teil 1 | Teil 3


TW: Tod, Kindstod, Sklaverei, Suizid


Disclaimer: Alle Beispiele in diesem Text wurden exemplarisch für die jeweilige Region gewählt, es herrscht keinesfalls ein Anspruch auf Vollständigkeit. Aufgrund der teilweise sehr vielen/wenigen Literatur, kann es zu Unstimmigkeiten kommen. Sollte sich ein Fehler einschleichen bitte ich darum diesen respektvoll in den Kommentaren anzumerken. Alle Kommentare, die die in diesem Text genannte Kulturen und Religionen angreifen/beleidigen, werden gelöscht.

Im Folgenden wird der Tod als weiblich gelesene Figur diskutiert, da in der Literatur und den Quellen zu den Kulturen/Religionen generell von ‚Frauen‘ die Rede ist, wird dies hier übernommen. In einzelnen Fällen gibt es geschlechtsfreie/nicht binäre Entitäten, die (sofern dies aus den Quellen abzulesen ist) dementsprechend benannt werden.


Dieser Blogtext wird euch kostenfrei zur Verfügung gestellt, falls ihr mich und meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das hier: Paypal.


Nordamerika


Haida_totem_pole_from_Tanu

Haida totem pole, Museum of Archeology and Antropology Cambridge


Haida

In der Haida-Mythologie ist Tia die Göttin des friedlichen Todes, die ihrem männlichen Gegenpart (der den gewaltvollen Tod verkörpert) gegenübersteht.

Inuit

Bei den Inuit gibt es die Göttin Akna, die für Fruchtbarkeit steht und damit auch für den Tod, sowie die Göttin Pinga, die die Jagd, Medizin und ebenfalls Fruchtbarkeit verkörpert.

Narragansett

Die Narragansett haben die Fee/den geschlechtslosen Geist Chepi, der die Seele einer/s Toten verkörpert. Der Geist übermittelt Wissen zwischen den Lebenden und den Toten und kann als Rachegeist beschworen werden, um einen Feind zu zerstören.

Vodou

Vodou (Voodoo) kennt viele Geister und Figuren des Todes, Maman Brigitte ist ein Geist des Todes (Loa) und besonders Teil des haitianischen und louisianischen Vodous. Ihr Tierzeichen ist der schwarze Hahn. Sie ist dafür bekannt zu fluchen und Rum mit scharfen Gewürzen zu trinken. Maman kann mit ihrem Mann die Loa-Gruppe Ghede erschaffen, indem sie die Seelen Verstorbener aus den Wassern des Stroms des Vergessens zieht und sie benennt. Im Rahmen der Versklavung/Christianisierung Haitis und der Amerikas wurde sie mit der irischen Heiligen Brigida gleichgesetzt. 

Maman Brigitte ist die Herrin der Friedhöfe, Gräber und Grabsteine. Sie wacht über alle Gräber, die ein Kreuz auf dem Grabstein haben. Ihr wird das erste Grab einer Frau auf jedem neuen haitianischen Friedhof geweiht. Sie wird angerufen, wenn man die Toten beschwören will oder ein/e durch Magie Erkrankte/r geheilt werden soll.


Zentralamerika


Cihuateotl_MET_DT5116

A figure of a cihuateotl, the spirit of an Aztec woman who died in childbirth


Mexiko

Mexiko ist ein Sammelplatz für zahlreiche alte (und neue) Todbringer*innen und Legenden. Von dort aus verbreiten sie sich über Zentralamerika und in den Süden. Nuestra Señora de la Santa Muerte, kurz Santa Muerte genannt, ist eine dieser Legenden. Eigentlich eine männliche Figur, wird sie seit unbestimmter Zeit als weibliche Skelettfigur dargestellt, die in der Regel eine Sense und/oder einen Globus bei sich trägt.

Santa Muerte kommt aus der präkolumbianischen Zeit der mexikanischen Kultur, die ein spezifisches Verhältnis zum Tod aufzeigt, was besonders in Mexiko auftritt (Day of the Dead). Sie ist eine im mexikanisch-katholischen Glauben/Kult auftretende Personifikation des Todes, die sich im 21. Jahrhundert nach langer Verbannung durch die Kirche, einer wachsenden Beliebtheit erfreut. Mittlerweile steht sie für alle anderen Skelettfiguren der Totenkulte in Zentral- und Südamerika.

Taíno

Die Taíno bezeichnen die Ureinwohner*innen der Karibik, die im 15. Jahrhundert den Großteil der Population Kubas, der Dominikanischen Republik, Haitis, Jamaikas, Puerto Ricos, der Bahamas und den Nördlichen Antillen ausmachten. Ihr System ist auf ein Matriarchat ausgelegt, die Mütter tragen die Familie und ihre Geschichte mit sich. Dies ist wichtig, da die Taíno die Geister ihrer (weiblichen) Vorfahr*innen anbeten, die sie Zemís nennen. Die wichtigste hiervon ist Atabey. Sie ist für Fruchtbarkeit, den Mond und frisches Wasser zuständig. Tod und Seuche, sowie Wassermangel werden ihr unter dem Namen Guabancex ebenfalls zugesprochen. Dieser negative Teil von ihr kann unter anderem Naturkatastrophen beschwören.

Atabey/Guabancex sind für Leben und Tod verantwortlich; sie halten die Welt der Taíno im Gleichgewicht.

Maya

Ix Tab ist die Mayagöttin des Suizids durch Erhängen. Ihre Rolle ist es, die Verstorbenen in den Himmel zu führen. Xtabay ist ein weiblicher Dämon des Mayaglaubens, der Männer hasst. Sie wartet in Wäldern, um Männer mit ihrer Schönheit vom Weg abzubringen und sie in den Tod zu führen. Eine Version ihres Mythos wurde 1998 neu veröffentlicht in dem Buch Diez Leyendas Mayas (Jesus Azcorra Alejos).

Azteken

In der Azteken-Mythologie gibt es drei Entitäten des Todes. Zwei davon drehen sich um Frauen bei der Geburt und/oder um verstorbene Mütter, Kinder, schwangere Frauen und Frauen, die bei der Geburt sterben. Bei den Azteken nimmt eine schwangere/gebärende Frau den Status einer Kriegerin ein, die eine Schlacht bestreitet. Die Geistergruppe Cihuātēteoh repräsentiert die Seelen der bei der Geburt verstorbenen, so wie es eine Gruppe für die in der Schlacht verstorbenen Männer gibt. Diese Geister sind oft negativ und böse, sie nehmen den Geist ihrer ebenfalls verstorbenen Kinder auf, als wären sie ihre Gegner in der Schlacht.

Die Cōātl īcue, auch Tēteoh īnnān genannt, ist die Mutter der Götter. Sie gebar den Mond, die Sterne, den Gott der Sonne und den des Krieges. Auch steht sie für die Göttin Tocih (eine großmütterliche Figur) und Cihuacoatl (die Schlangengöttin). Alle diese Göttinnen repräsentieren die Schutzgöttinnen der Frauen, die während der Geburt sterben.

Mictēcacihuātl ist die Königin der Unterwelt Mictlān. Ihr Name bedeutet übersetzt ‚Königin der Toten‘. Ihre Aufgabe ist es, die Knochen der Toten zu bewachen und die traditionellen Festivitäten für die Toten zu schützen. Etwas was mittlerweile mit dem Day of the Dead verschmolzen ist. Der Legende nach wurde sie direkt nach der Geburt geopfert. In Auftreten, Ikonografie und Aufgaben ist sie der Santa Muerte sehr ähnlich.


Südamerika


476px-Mama_Ocllo,_Peru,_circa_1840,_San_Antonio_Museum_of_Art

Mama Ocllo, San Antonio Museum of Art (~1840)


Inka

Die Inka haben mehrere Göttinnen, die oft einen männlich gelesenen Gegenpart besitzen. Copacati ist die Göttin der Seen, die zusammen mit Mama Qucha (See-Mutter, Göttin der Gewässer und Fische) alle Ertrunkenen bewacht. Mama Allpa und Mama Ocllo sind die Fruchtbarkeitsgöttinnen, die auch für den Tod verantwortlich sind. Mama Ocllo wurde als Mutter und Göttin abgelehnt und vertritt den negativen Part. Mama Pacha ist Mutter Natur, die den Kreislauf des Lebens und das Schicksal der Menschen bestimmt. Sie ist auch für Erdbeben und deren Zerstörungskraft verantwortlich. Mama Sara ist die Göttin des Korns und des Hungers.


Afrikanische Legenden und Religionen


Westafrika


04beier1

Ani, the mother of the Igbos, X


Igbo/Ibo

In (Süd) Nigeria gibt es den Glauben von Ala/Ani, der Göttin der Erde, des Todes, der Fruchtbarkeit und der Kreativität. Sie ist die Schutzfigur der Frauen, herrscht in der Unterwelt (bzw. hält sie die Toten in ihrem Mutterleib, sie ist also die Unterwelt) und gilt als wichtigste Göttin im Glauben, da sie für die Erde steht. Sie ist die Mutter aller Igbo und ihre letzte Ruhestätte. Aller Boden ist für die Igbo heilig, da sie in ihm steckt. Sie personifiziert den Tod und stellt damit auch die Richterin zwischen guten und schlechten Taten dar. Ihre Manifestation (neben der Erde) ist die Python (Igbo: éké). Als Wächterin der Unterwelt und Göttin der Moral führt sie Gericht über die guten und schlechten Taten der Menschen und entscheidet, wer wie bestraft wird.

Ikonografisch wird sie als Mutter mit einem Kind auf ihrem Schoß dargestellt, manchmal mit einem Schwert in ihrer rechten Hand. Sie sitzt auf einem Thron, umgeben von ihrer Familie.


Nordafrika


Terre_cuite_pleureuse_Louvre_E27247

A woman (Isis), in a pose of mourning; 1400/1500 v. Chr., Louvre


Ägypten

Die Schwestern Isis und Nephthys nehmen beide eine wichtige Rolle im ägyptischen Pantheon ein. Isis, die Frau von Osiris, half – dem Mythos nach – ihrem Mann dabei, die Seelen Verstorbener in die Unterwelt zu führen. Sie belebt ihren Ehemann wieder und verschmilzt mit ihm zu einer Gottfigur, die über die Lebenden und Toten wacht. Sie ist die göttliche Mutter des Pharaos und steht für Heilung, Fruchtbarkeit und Mutterschaft. Ihre Rolle ist besonders für Beerdigungen wichtig, sowohl bei regulären, als auch denen der Pharaonen. Sie stellt im Neuen Reich (die heute bekannteste Phase Alt-Ägyptens ~1550-1070) die „moderne“ Version von Hathor dar, der Göttin „früherer“ Zeiten (was viel aussagt, wenn man bedenkt, dass der Isismythos über 4000 Jahre alt ist). Passend dazu übernahm sie Hathors Kopfbedeckung: Einen Sonnenscheibe zwischen den Hörnern eines Stiers und ihre Aufgaben. Als Ägypten von den Ptolemäern regiert wurde, nahm sie die Doppelrolle als Persephone ein.

Ihre Schwester Nephthys steht in Beerdigungs- und Grabmalereien oft neben ihr. Sie beschützt die Mumien, während Isis die Seelen in die Unterwelt führt. Nephthys steht neben ihrer Funktion als Tempelgöttin auch für den Moment des Todes und personifiziert den Schmerz und die Trauer eines Sterbenden.

Die beiden Schwester werden künstlerisch gleich dargestellt: Eine große Frau mit einer thronhaften Hieroglyphe auf dem Kopf. Nachdem Isis die Rolle der Hathor zugesprochen wurde, differenzieren die Darstellungen der Schwestern.


Die asiatische Mythologie

Ostasien


320px-Kobayashi_Izanami_and_Izanagi

Searching the Seas [天瓊を以て滄海を探るの図 ], Kobayashi Eitaku (1880-90)


Korea

Prinzessin Bari ist eine Figur/Göttin aus dem koreanischen Schamanismus. Sie ist die siebte Tochter eines Königs, der keine Söhne hat. Aufgrund ihres Geschlechts wurde sie nach ihrer Geburt ausgesetzt und reist als Jugendliche in die Unterwelt, um ein Lebenselixier zu erhalten. Damit wird sie als Göttin in eine neue Welt geboren, in der sie die Rolle Bootmanns Charon, der die Seelen in der griechischen Mythologie über den Styx bringt, einnimmt. Sie ist Teil der schamanischem Folklore Koreas, in der sie laut des Mythos Barigongju beschworen werden kann, um Rituale rund um den Tod zu vollziehen. (Komplette Geschichte und Folklore (engl.): x)

2007 wurde die Geschichte von dem südkoreanischen Autor Hwang Sok-yong neu aufgeschrieben. In seinem Roman „Princess Bari“ wird die Geschichte modernisiert und stellt Bari als feministische Frau in einer patriarchalen Welt dar.

Japan

In der japanischen Mythologie (bzw. dem Glauben Shinto) ist Izanami-no-Mikoto die Göttin der Kreation und des Todes. Sie ist der weibliche Counterpart zu Izanagi. Beide wurden von den ersten Göttern (Kunitokotachi und Amenominakanushi) geschaffen und damit beauftragt das erste Land zu schaffen. Dieses ist laut des Mythos Onogoroshima, gleichsam auch die Heimatinsel der beiden Gottwesen.

Zur Göttin des Todes wurde sie, als sie Menschen den Tod gab und schließlich selbst starb, während sie Kagu-tsuchi (Gottheit des Feuers) gebar. In Kojiki, der ältesten Chronik japanischer Geschichte, steht, wie sie in die Unterwelt (Yomi) kam und das Essen dort aß, was bedeutete, dass sie für immer dort bleiben musste. Eine Entwicklung, die ihr Mann nicht gut fand, aber akzeptieren musste, nachdem er sie in der Unterwelt besuchte. In der zweitältesten Chronik Nihonshoki wurde die Göttin statt in die Unterwelt auf die Insel Awaji in einen Tempel verwiesen.

Es gibt zudem in spezifischen Teilen der japanischen Religion und Kultur die Shinigami, Götter und Inkarnationen des Todes oder Geister, die Menschen in den Tod begleiten. Die geschlechtlosen (bzw. entweder männlichen, weiblichen oder nichtbinären) Wesen sind ursprünglich Teil des Buddhismus (in Form des Mrtyu-mara). In Shinto werden sie oft in Form von Izanami-no-Mikoto dargestellt, da diese den Menschen den Tod gab.

In der späten Edo-Perode (1603-1868) waren Shinigami ein beliebtes Popkultur-Phänomen. So etwa in der Geschichte Shinigami von Shunsensai Takehara im Ehon Hyaku Monogatari („Bilderbuch mit hundert Geschichten“), einem Sammelband mit Monstern und Wesen der japanischen Folklore aus dem Jahr 1841, als bloßer Spirit eines Toten beschrieben. Später in der gleichen Epoche (1850) erschien das Essay Shōzan Chomon Kishū von Miyoshi Shōzan, dass die Besessenheit von Shinigamis weiter untersuchte. In der Geschichte beeinflusste ein Shinigami im Körper einer Prostituierten einen Mann dazu, Suizid zu begehen. 1868 erschien das Kabuki Mekuranagaya Umega Kagatobi von Kawatake Mokuami, in dem ein Shinigami menschliche Gedanken beeinflusste und ihnen all das Schlechte in ihrem Leben aufzeigte, bis sie sterben wollten. Die Beliebtheit der Shinigami in japanischer Horrorliteratur zeigt sich bis zum Ende der Edo-Periode, bzw. dem Beginn der Meiji-Periode. Weitere Auftritte hatten sie z. B. auch in den Rakugo von San-yūtei Enchō, ein Programm wurde von ihm sogar Shinigami genannt.

Es gibt noch zahlreiche weitere Phasen japanischer Kultur, in der die Shinigami Auftritte erlangen. Das Ende der Edo-Periode ist jedoch bis in das 21. Jahrhundert hinein das, mit der größten Menge an Werken. Dank der japanischen Mangaserie Death Note (auch als Anime und Spielfilm verfügbar) von Tsugumi Ohba sind die Shinigami wieder einmal Fokuspunkt zahlreicher Popkulturelemente, diesmal erstmals nicht nur in Japan, sondern international.


Süd(ost)asien


Dhumavati

Mahavidya Dhumavati, Ajit Mukharjee collection (1926)


Indien

Mara ist im Hinduismus die Göttin und Personifizierung des Todes. Ihr Name bedeutet wörtlich „Tod“.

Es gibt zudem Dhumavati, eine der zehn Mahavidyas (Tantra-Göttinnen). Sie steht für die Angst und das Unangenehme in der Religion, weshalb sie als Krähe während des Chaturmas auftaucht und oft auf oder in der Nähe vom Shmashānas (Kremationsorten) dargestellt wird. Auch wenn sie den Tod und das Verderben darstellt, gibt es auch positive Eigenschaften von Dhumavati, sie kann beispielsweise endloses Wissen vermitteln, übernatürliche Kräfte verleihen und die innere Wahrheit des Lebens offenbaren.

In Tantra gibt es weitere Göttinnen, die als Mutterwesen auftreten und damit für Schöpfung und Sterben verantwortlich sind. Neben der Mahavidyas gibt es die sieben Matrikas, sowie Chamunda, Kali und Durga. Tantra vereint verschiedene Strömungen in der indischen Religion und Philosophie und ist zwischen Hinduismus und Buddhismus verortet. Seit den Ursprüngen des Tantra (200 n. Chr.) und besonders nach der Verbreitung der Lehren (700-800 n. Chr.) ist die Anbetung dieser weiblichen Gottheiten zentraler Bestandteil des Glaubens. Die generelle Anbetung weiblicher Lebens- und Todesgöttinnen im heutigen Indien gab es bereits in der altvedischen Zeit (1750-1200 v. Chr.). Weibliche Todesdarstellungen in Indien wurde also von der Vedischen Religion zur Tantra zum Hinduismus weitergegeben. Zusammen mit dem ägyptischen und japanischen Glauben zählt dies zu der ältesten Darstellung weiblicher Todesgöttinnen.

Myanmar

Shingon, direkt übersetzt „Frau Buckel“) ist eine von 37 Nats (Spirits) im birmanischen/burmesischen Nat-Pantheon der Bamar, der indogenen Bevölkerung von Myanmar. Sie war eine Gehilfin des Königs Thihathu von Ava (heute Inwa) (1394–1425 n. Chr.), die ihm in eine Schlacht folgte und starb. Sie nimmt in der Reihe der Nats eine Sonderrolle für den Tod ein.

Ansonsten stehen alle Nats des Pantheons für den Tod, da sie fast alle einen gewaltvollen Tod starben. Nats allgemein sind unterteilbar in hohe und niedere Geister, je nachdem ob sie einen Namen haben oder nicht. Die hohen Nats bevölkern die sechs Himmel. Menschen werden nach dem Tod zu Nats nach einem ähnlichen Prinzip, wie eine christliche Heiligsprechung. Die Möglichkeiten Nat zu werden sind je nach Ort unterschiedlich und oft nur der lokalen Bevölkerung bekannt. Jedes Dorf hat einen lokalen Nat, ebenso wie viele Familien; die Geisterwesen fungieren in diesem Fall als Schutzgeister. Nats die einen Namen haben sind in männlich und weiblich einteilbar, Nats ohne Namen geschlechtlos.

Philippinen

In den Philippinen gibt es zahlreiche weibliche/weiblich gelesene Monster und Geister, die allesamt für den Tod stehen und/oder ihn bewirken. Seit 2018 erscheinen zahlreiche Horrorfilme auf Netflix, die die Geschichte der Wesen erzählen. Neben diesen Legenden, die allesamt örtlichen und zeitlichen Schwankungen unterliegen, gibt es zwei dezidiert weibliche Todesfiguren im philippinischen Glauben. Magwayen ist die Göttin des Jenseits und die erste Ozeangöttin in der visayanischen Mythologie. Sie sammelt die Seelen der Toten ein und bringt sie mit ihrem Boot nach Sulad.

Die zweite weibliche Todesfigur ist keine Göttin, sondern eine Geisterfigur in der Mythologie der Ilonggo/Hiligaynon, einer Untergruppierung des visayanischen Glaubens. Mama Guayen ist dafür verantwortlich, die Seelen zum Ende der Welt zu bringen.


Zentral-, West- und Nordasien


VLUU L310W L313 M310W / Samsung L310W L313 M310W

Shrine of Bixia, Mount Tai, Shandong


Turkvölker

Gun Ana ist die Sonnengöttin zahlreicher Turkvölker in Zentralasien (darunter Teile der Bevölkerung der Türkei, Aserbaidschans, Kasachstans, Kirgisistans, Chinas und Usbekistans) dementsprechend gibt es für sie zahlreiche Namen wie Gün Ana (türk.)/Күн Ана (kasach.)/ Күн Эне (kirg.)/ Nap Anya (ungar.). Sie ist eine der mächtigsten Gottheiten und steht für das Leben und den Tod, die Fruchtbarkeit, Wärme und Gesundheit; ihre Legende ist Teil der frühsten Schriften der türkischen Mythologie, wo sie mit Ay Ata (dem Mondgott) verheiratet ist.

Zusammen mit Umay, der Fruchtbarkeitsgöttin im Tengriismus (Zentralasiatische Schamanen-Religion), ist sie der Schutzgeist von Kindern und Frauen, besonders wenn diese vom Tod berührt wurden (Waisen, Witwen und Frauen, die ihre Kinder verloren).

China

Das Glaubenssystem in und um China herum ist sehr komplex und in viele Religionen und Subkulturen untergliedert. Eine Gemeinsamkeit ist die Anbetung der Muttergöttinnen, die besonders im Norden Chinas bis heute wichtig ist. Insgesamt gibt es neun Hauptgöttinnen, die allesamt eine Manifestation der großen Muttergöttin Bixia darstellen. Sie wird auch Houtu genannt, wobei diese Gottheit nicht spezifisch weiblich  ist, oder (von den Taoist*innen) mit der älteren Göttin Xiwangmu gleichgestellt. Es gibt noch weitere Variationen, doch alle diese Namen und Göttinnen stehen für dasselbe: eine Gottheit, die die Erde und Mutter von allem darstellt und für das Leben und den Tod steht. In Tempeln wird sie mit zwei weiteren Göttinnen dargestellt, darunter oft die Dame des Sehens und die Dame des Nachwuchses.

Es gibt noch zahlreiche lokale Göttinnen mit mütterlichen Eigenschaften, die für den Tod und das Leben stehen, so wie Canmu im Norden und Mazu an der Ostküste und in Taiwan. Ein Titel den alle Göttinnen, die diese Eigenschaften innehalten, tragen, ist Königin des Himmels. Diese kosmischen Göttinnen sind Manifestationen des Todes allgemein und besonders des Todes von Kindern, Müttern und Frauen bei der Geburt.


Weibliche Todesdarstellungen in Ozeanien


Maori


28777-atl

Hine-nui-te-pō and Māui, National Library of New Zealand


Hine-nui-te-pō, geboren als Tikikapakapa, ist die Maori-Göttin der Nacht, zu der die Menschen gehen, wenn sie sterben. Die Tangata Whenua, eine neuseeländische Untergruppe der Maori, glauben, dass das Himmelsrot am Abend von ihr kommt. Ihre Mutter Hine-ahu-one war die erste Menschenfrau, die Tāne Mahuta, der ursprünglich geschlechtsloser Gott der Harmonie und Vögel (ein Kind von Rangi und Papa), der sich später für ein Geschlecht entschied, aus roter Erde schuf, um sie zu heiraten. Tikikapakapas Name wurde kurz nach ihrer Geburt zu Hine-au-tauria geändert. Sie heiratete, ohne es zu wissen, ihren Vater und gebar ihm Kinder. Als sie erfuhr, wer ihr Vater war, brachte sie sich aus Scham um. Sie ist der erste Suizid in der Maori-Geschichte. Mit ihrem Tod wurde sie zur Göttin der Unterwelt, Hine-nui-te-pō, die die Seelen der Toten fängt, bevor ihr Vater Tāne sie ins Licht führen kann.

In der Maori-Mythologie versucht der Halbgott Māui Hine-nui-te-pō zu töten, da sein Vater Makeatutara, ebenfalls ein Gott der Unterwelt, ihm verspricht, dass es keinen Tod gibt, wenn Hine-nui-te-pō stirbt und Māui somit ewig leben wird. Sein Plan ist es, als Wurm durch sie hindurch zu kriechen und sie somit von innen zu zerstören. Die schlafende Unterweltgöttin wird jedoch von einem Vogel geweckt und tötet den Halbgott, der damit der erste Mann in der Maori-Geschichte wird, der stirbt.


Literatur

  • Laennec Hurbon: Voodoo. Search for the Spirit. (1995)
  • Irving Rouse: The Tainos. Rise and Decline of the People Who Greeted Columbus. New Haven. (1993)
  • Adela Fernández: Dioses Prehispánicos de México. (1996)
  • Matsumae Takeshi: Izanagi and Izanami. (2005)
  • Paul Gäbler: Vedische und brahmanische Religion. (1959)
  • Hla Thamein: Thirty-Seven Nats. (2006)
  • Tara Yap: Lin-ay, symbolic of Iloilo’s history & culture, unveiled. (2012)
  • C. E. Bosworth/Muhammad Seyfeydinovich Asimov: History of civilizations of Central Asia. (2000)
  • Hüseyin Özcan: Gün Ana. (2010)
  • B.G. Biggs: Maori Myths and Traditions. (1966)

Autor: Michelle Janßen

Michelle Janßen ist eine süddeutsche Bloggerin, Journalistin und Autorin. Sie studiert deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte. Auf Büchnerwald bloggt sie medienkritisch über Politik, Geschichte und (online) Medien.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s